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Presseschau zum TV-Duell: Schulz and Juncker for President!?

Am 20. Mai trafen sich die beiden Spitzenkandidaten der EU-Wahl, Jean-Claude Juncker und Martin Schulz, zum dritten und letzten TV-Duell in der “Wahlkampfarena”. Wieder gab es nur “einen Hauch von Streit”. In den Medien kam Kritik am Format auf und die Frage, “warum nicht einfach beide EU-Kommissionspräsident werden können.”

“Ein bisschen blutleer” lautet das Fazit zum TV-Duell bei Spiegel Online. Die EU-Spitzenkanidaten der Sozialdemokraten und Konservativen, Martin Schulz und Jean-Claude Juncker, zeigten im Wahlkampf-Finale erneut, dass sie bei zentralen Themen fast identische Positionen vertreten: “fast kein Thema offenbarte echte Differenzen zwischen beiden”. Kritik übt Spiegel Online auch an der Themensetzung durch die Zuschauer_innen. Obwohl die Spitzenkandidaten in den 75 Minuten Sendezeit durch eine ganze Reihe von Fragen und Themen (u.a. zu Energiewende und Freihandel, NSA und Jugendarbeitslosigkeit) geprescht seien, blieben wichtige Fragen zur Steuerpolitik und der Ukraine-Krise unbeantwortet, da un-gestellt. Insgesamt, so das Ergebnis des Spiegel Online-Votings, fanden die deutschen Zuschauer_innen Martin Schulz überzeugender.

Auch das Handelsblatt bilanziert, dass Juncker und Schulz “in den meisten Fragen ähnliche Positionen bezogen”. Im Fokus des Handelsblattes stehen die Äußerungen der beiden Kandidaten zum Freihandelsabkommen, zum EU-Beitritt der Türkei und zur Migrationspolitik. Beide Kandidaten hätten deutlich gemacht, dass die EU in den TTIP-Verhandlungen eine starke Position gegenüber den USA beziehen müsse; beide lehnten einen EU-Beitritt der Türkei ab; beide forderten beim Thema Zuwanderung mehr Solidarität mit den südlichen EU-Ländern, mehr Entwicklungshilfe und neue Einwanderungsregelungen.

Einen Überblick über weitere Themen des TV-Duells und zentrale Aussagen der Kandidaten bietet Bild.de. Der Titel des Berichts greift Junckers Ruf nach einer europäischen Armee auf – auch auf “EuropaundWir” ein diskutiertes Thema.

Deutliche Kritik am Format “TV-Duell” äußert u.a. die Wirtschaftswoche. Durch die “wenig vorhandene Streitlust” der Kandidaten und das “wirre Fragen-Bombardement” bleibe der Zuschauer am Ende ratlos zurück. Immerhin hätten sich die Kandidaten zumindest zu Beginn des Duells um Kontur und Differenz bemüht. So warb Martin Schulz für mehr Zusammenarbeit der EU-Länder während Jean-Claude Juncker deutlich machte, dass er “kein Vertreter der Vereinigten Staaten von Europa” sei; Schulz legte den Fokus auf die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit, Juncker auf “Wachstum und Beschäftigung”. Trotzdem dürfte sich “mancher Zuschauer nach dem Auftritt in der Wahlarena gefragt haben, warum sich Schulz und Juncker das Amt des Kommissionspräsidenten nicht einfach teilen können.”, so die Wirtschaftswoche.

Noch härter geht Jan Freitag auf Zeit Online mit dem interaktiven TV-Format ins Gericht: “Meistens höflich, oft holprig oder ummantelt von politischen Parolen baten die Medienlaien zwei Medienprofis um Antwort und hakten von Jugendarbeitslosigkeit über Rechtsradikale, Bürgerbeteiligung, Flüchtlingspolitik bis hin zum Lobbyismus ab, was aus Wählersicht eben so abzuhaken war.”

 

Weitere Informationen zur Europawahl

Wer sich intensiver mit den politischen Positionen der europäischen Parteien auseinandersetzen möchte, kann dies mithilfe des aktuellen Parteienmonitors der KAS tun. Die Positionen der deutschen Parteien zur Europawahl finden sich hier. Daneben hat die KAS eine Studie zu den Wählern der Bundesrepublik und der Europapolitik Deutschlands im Jahr 2014 veröffentlicht. Zum Aufstieg Rechts- und Nationalpopulistischer Parteien in Europa steht die Studie Europa – Nein danke? zur Verfügung.

Bild unter CC von Björn Seibert auf Flickr

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