TV Duell Schulz vs. Juncker: Eleganz gegen Robustheit

Premiere im Hauptstadtstudio des ZDF: In internationaler Kooperation mit dem ORF treten die Spitzenkandidaten der beiden größten Parteienfamilien des Europäischen Parlaments zum TV-Duell an. Schon beim Einzug der Kontrahenten werden die unterschiedlichen Persönlichkeiten sichtbar. Mit aufgesetztem Siegerlächeln und stolz geschwellter Brust geht Martin Schulz für die Sozialisten forsch voraus, Jean Claude Juncker für die Europäische Volkspartei schreitet konzentriert und staatsmännisch zu seinem Rednerpult.

Wie schon in der Europadebatte bei euronews Ende April müssen die Kandidaten nicht nur die Fragen der beiden Moderatoren beantworten, sondern sich auch den Fragen und Meinungen der Zuschauer im Studio sowie über Twitter, Facebook oder E-mail stellen. Auch wenn Schulz und Juncker sich in ihren Ansichten selten unterscheiden, in ihrem Auftreten werden ihre Charaktere deutlich. Mit lauter, meist rauer Stimme stellt Schulz sich immer wieder selbst „als Kommissionspräsident“ in den Mittelpunkt und gibt sich von Beginn an angriffslustig. Vorwürfe wie die der Hinterzimmerpolitik pariert Juncker dagegen mit ruhigem, sonorem Tonfall und humorvollem Konter, schließlich habe er Schulz „hinter verschlossenen Türen“ kennengelernt. Die Lacher und damit auch die Sympathien hat er auf seiner Seite.

Schulz wirkt steif, seine Gesten sind hektisch und den Blick richtet er fest geradeaus. Belehrend erhebt er seinen Zeigefinger gegen die Moderatoren, um seinen zwanzigjährigen Kampf gegen die Bürokratie zu betonen. Juncker wirkt in sich ruhend, seine Gesten sind rund, nur kleine Schweißperlen auf der Oberlippe dokumentieren innere Anspannung. Mit verschmitztem Lächeln mahnt er Schulz zu mehr Differenzierung in der Diskussion um die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei.

Schulz punktet mit klaren, manchmal populistischen Aussagen, gibt sich hemdsärmelig, energisch und kämpferisch. Diese Robustheit zeigt sich auch in eher sportlich konfektionierten Hemdkragen und Jackett. Juncker gewinnt durch staatsmännische Souveränität und seine schlagfertigen, humorvollen Konter. Hemdkragen und Revers seines Sakkos sitzen elegant.

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