CC-BY-ND 2.0 by Dennis Skley

Einführungsartikel

Solidarität oder Souveränität? Wirtschaft und Währung in Europa.

Die internationale Finanzkrise hat viele von uns wachgerüttelt. Die Berechenbarkeit des globalen Finanzmarkts wurde in Frage gestellt, das Vertrauen in Großbanken ging verloren und Zweifel an den Strukturen der Europäischen Union machten sich breit.

Ein Riss und seine Folgen

Als im Jahr 2008 am amerikanischen Immobilienmarkt  die so genannte Finanzblase platzte – über die Jahre aufgebläht von billigen Wertpapieren und hochriskanten Anlagen – machten sich die Auswirkungen dieses eigentlich lokalen Phänomens weltweit bemerkbar. Als es bereits zu spät war musste die Weltgemeinschaft also mit ansehen wie verwundbar und vor allem unberechenbar doch dieses globale Finanzsystem ist und wie verheerend die Folgen seines Einbruchs. Doch nicht nur das unverantwortliche Handeln einiger Banker und die aberwitzigen Regeln eines Systems, das niemand mehr so recht durchblicken mag, sind Schuld. Viele Staaten haben selbst mit ihrer Schuldenpolitik über Jahrzehnte dazu beigetragen sich eine Last aufzuerlegen, die sie nicht mehr eigenständig schultern können.

Ganze Länder wurden so an den Rande des Bankrotts getrieben und konnten einzig durch gemeinsame Rettungsmaßnahmen der Mitgliedsstaaten, wie beispielsweise den Euro-Schutzschirm, vorläufig gerettet werden. Die Arbeitslosigkeit, vor allem unter jungen Menschen, liegt in Ländern wie Portugal, Spanien, oder Griechenland nach wie vor bei rund 20%.

Positionen im Überblick
Solidarität oder Souveränität?

Solidarität auf dem Prüfstand – wie stark ist die europäische Gemeinschaft?

Abgesehen von den hohen finanziellen Kosten hat die Krise in Europa vor allem einen Preis gefordert: die innereuropäische Solidarität wurde teils arg in Mitleidenschaft gezogen. Denn nicht nur die Finanzwelt wurde durch die Krise auf die Probe gestellt: auch die Bürgerinnen und Bürger der EU sahen sich mit Fragen konfrontiert, die den Kern der Europäischen Union berühren. Viele Europäer haben nicht nur zunehmend das Gefühl für das Handeln verantwortungslose Banker und Politiker  haften zu müssen, sondern empfinden es auch als ungerecht für die Versäumnisse anderer Mitgliedsstaaten aufkommen zu müssen.

Europa muss sich hinterfragen!

Begriffe wie Solidarität und Verantwortung müssen neu verhandelt, neue Zukunftsvisionen für das europäische Projekt entworfen werden. Während manche für ein stärkeres, solidarisches Europa plädieren, fordern andere mehr Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten ein – sogar mögliche Ausschluss- und Austrittsszenarien werden ernsthaft diskutiert. Kaum ein Thema wird trotz seiner eher nüchternen Natur ähnlich emotional geführt – geht es doch im Kern vor allem auch um empfundene Gerechtigkeiten und Ungerechtigkeiten. Muss der Bürger für seine Banken haften? Der eigene Staat für einen anderen?  Steht sich in Europa jeder immer noch selbst am nächsten? Diese und andere Fragen und Positionen möchten wir mit Ihnen und euch diskutieren.

Dazu freuen wir uns u.a. auf Beiträge von brand eins Autor Wolf Lotter, der zu mehr echter Solidarität und Eigenverantwortung seitens der Bürgerinnen und Bürger aufruft und Joscha Ritz vom Bundesverband Deutscher Industrie in Brüssel.

Unsere Tipps zum Weiterlesen:

Foto: flickr/Dennis SkleyCC-BY-ND 2.0

Die Debatte 4 Kommentare

  1. von Sowi LK Heinrich Heine Gesamtschule Aachen Herr Gerld - Florian Immendorf und Christian Husch
    Antworten -

    2. Zusammenhalt als oberstes Gut

    Um in Zukunft weiterhin eine stabile europäische Union zu erhalten, müssen die Mitgliedsstaaten zusammenhalten. Die diplomatischen Beziehungen werden zwar durch die Finanzkriese strapaziert, aber eine gute Lösung des Problems kann nur gemeinsam erreicht werden. Es darf auf gar keinen Fall ein Staat aus der EU ausgeschlossen werden, da dadurch die gesamte Stabilität der EU gefährdet wird.
    Stattdessen muss es Regeln geben, an die sich alle Mitglieder halten müssen. Sollte sich ein Staat nicht daran halten, dann muss es dafür angemessene Konsequenzen geben.

  2. 3. Eigenverantwortung heißt auch Rückkehr zur eigenen Währung ermöglichen

    Meines Erachtens nach zeigt die Krise neben einem wackligen Finanzsystem und einer enormen Verschuldungspolitik der vergangenen Jahre vor allem das Problem der Währungsunion. Die Geldpolitik ist in Europa mit dem Euro zentralisiert worden. Doch innerhalb Europas sind die makroökonomischen Anforderungen extrem unterschiedlich. Während Länder im Süden Europas eine expansive Geldpolitik benötigen um ihre Konjunktur durch eine Währungsabwertung zu stabilisieren, sollten Länder wie Deutschland diese restriktiver halten um Blasen zu verhindern.
    Dieses Problem wird auch nach dieser Rezession immer wieder in Erscheinung treten. Daher sollte man durchaus Austritte von Ländern über Paralellwährungen ermöglichen wie es beispielsweise Prof Vaubel vorgezeigt hat. Das hat dann auch nichts mit mangelnder Solidarität zu tun, denn die Härte, die Steuererhöhungen und Ausgabensenkung erzeugen, sind umso schlimmer je stärker dann auch noch Arbeitslosigkeit und Rezession hinzuwirken.